Apr
2
2013

Wie wird mein Hund schnell stubenrein?

Diese Frage stellt sich vor allem frischgebackenen Welpenbesitzern. Vor allem Berufstätige wünschen sich natürlich, dass ihr Vierbeiner nicht die ganze Wohnung vollmacht, solange sie weg sind. Lassen Sie mich Ihnen gleich vorab sagen: Wie lange es dauert, bis Ihr Hund wirklich stubenrein ist, kann man nicht in einer Zahl ausdrücken, da dies von verschiedenen Faktoren abhängt:

  • Das Lernverhalten Ihres Hundes
  • Wieviel Zeit und Energie Sie der Erziehung widmen können
  • Genereller Charakter des Hundes
  • Wie lange ihr Hund täglich allein ist
  • “Umweltfaktoren”

Es gibt wie in unserer Spezies auch bei Hunden sehr intelligente, durchschnittlich intelligente und weniger intelligente Exemplare. Nicht alle Hunde lernen gleichschnell. Aber bitte gehen Sie nicht davon aus, dass ihr Hund “dumm” ist, wenn er länger braucht, um stubenrein zu werden – zu den Ursachen, warum Ihr Hund möglicherweise Schwierigkeiten mit dem Thema hat kommen wir später noch. Zusätzlich sei nich gesagt, dass es wahrscheinlich auch keine “dummen” Hunde gibt, sondern nur falsche Erwartungen oder falsche Trainingsmethoden.

Natürlich erleichtert es Ihrem Hund die ganze Stubenreinheitssache, wenn Sie rund um die Uhr ein Auge auf ihn haben können! Bei einem Welpen sollte diese Voraussetzung eigentlich sowieso erfüllt sein, aber jeder muss auch mal einkaufen gehen oder hat einen kleinen Weg zu erledigen. Generell lässt sich sagen, dass mehr Zeit immer besser ist, als weniger Zeit, wenn es um einen so sensiblen Lernprozess geht. Es ist ja nicht das Gleiche, als wenn Sie dem Hund ein Kommando wie “Sitz” beibringen wollen. Die Körperfunktionen Ihres Hundes richten sich im Allgemeinen nicht nach Ihnen, sondern nach dem Lauf der Natur. Wenn Sie selber für mehrere Stunden abwesend sein müssen, ist es für eine schnelle Stubenreinheitserziehung von Vorteil, wenn in dieser Zeit jemand anderes Ihre Rolle übernimmt und den Hund beaufsichtigt.

Einem Welpen die Stubenreinheit schnell beizubringen, erfordert unter anderem auch, dass Sie (mehrmals) mitten in der Nacht aufstehen. Wenn Sie dazu nicht bereit sind, wird der Prozess deutlich länger dauern. Das ist auch nur normal, denn ein junger Hund hat noch keine wirkliche Kontrolle über seine Blase. Von einem neugeborenen Kind würden Sie das ja auch nicht erwarten, oder?

Was ist mit Umweltfaktoren gemeint? Das sind Dinge wie “Wie weit ist der Weg nach draußen”… wer im zehnten Stock eines Hochhauses wohnt macht es seinem Hund im Fall der Fälle schwerer, den Darminhalt bei sich zu behalten, bis die rettende Wiese erreicht ist. Es spielt auch eine Rolle, inwieweit der Züchter oder Vorbesitzer diese Sache gehandhabt hat. Unsere Hündin Ayeka durfte bei Ihren vorherigen Haltern in die Wohnung machen… das war natürlich nicht die perfekte Voraussetzung – aber das sollte keine unüberwindbare Hürde sein.

Was muss ich tun, damit mein Hund stubenrein wird?

2564-300x235 in Wie wird mein Hund schnell stubenrein?Gehen Sie prinzipiell ca. 20 Minuten nach jeder Mahlzeit, die Ihr Hund zu sich genommen hat nach Draußen bzw. an den Ort, an dem Ihr Hund das Geschäft machen soll. Diese Vorgehensweise sollte logisch sein. Was vorne reinkommt, muss ja irgendwann auch wieder hinten herauskommen. Hier sind Disziplin und auch Durchhaltevermögen gefragt. Ich erinnere mich an Situationen, in denen ich wirklich stundenlang mit dem Hund im Garten war und auf das Häufchen wartete. Wichtig ist außerdem: Ruhe bewahren. Ich kann nicht oft genug betonen, dass Ihre eigene innere Einstellung sich auf den Hund übertragen kann. Wenn Sie nervös, genervt oder angespannt sind, wird Ihr Hund es merken und das erschwert Ihr Unterfangen möglicherweise. Setzen Sie den Hund nicht unter Druck. Auf ihn einzureden nach de Motto “Jetzt sei lieb und mach doch endlich. Warum machst du denn nicht?” bringt gar nichts oder im schlimmsten Fall verzögert es die Sache weiter!

Beobachten Sie, wann ihr Hund trinkt. Hier gilt die selbe Regel, wie beim Futter. Wasser wird in der Regel schneller wieder ausgeschieden, als Futter.

Haben Sie wenn möglich immer ein Auge auf den Welpen sobald er aufsteht! Wer seinen Welpen ein bisschen beim Herumtapsen betrachtet, wird nach wenigen Tagen das Verhalten erkennen, das er zeigt bevor er sein Geschäft macht. Die meisten Hunde zeigen eine Art Suchverhalten. Sie schnuppern am Boden, laufen sinnlos erscheinende Kurven oder drehen Kreise an ansonsten uninteressanten Plätzen – hier wird gerade der perfekte Platz für eine Pfütze oder ein Häufchen gesucht! Sobald Sie auch nur den Hauch des Eindrucks gewinnen, dass ihr Hund gerade so einen Platz sucht, stehen sie auf und bringen Sie den Hund nach draußen. Bitte auch hierbei KEINE Panik machen.

Stellen Sie sich am besten eine Alarmfunktion in Ihrem Wecker oder Mobiltelefon ein, die Sie alle zwei Stunden an das Stubenreinheitstraining Ihres Hundes erinnert. Sicher ist sicher. Vor allem Nachts! Planen Sie bei Welpen vor allem in der ersten Woche ein, dass Sie nachts im Schnitt zwei mal aufstehen müssen, um dem Hund Gelegenheit zum Lösen zu geben. Natürlich können Sie sich die Aufgabe mit Ihrem Partner oder den Kindern teilen! Gehen Sie mit dem Hund nach Draußen und warten Sie in aller Ruhe ab.

Machen Sie vermehrt Spaziergänge mit Ihrem Hund, das regt die Verdauung an und er gewöhnt sich ganz natürlich daran, dass er seine Geschäfte Draußen erledigt. Im Grunde wird er so darauf konditioniert, dass das Geschäft zum Gassigehen gehört und nicht ins Haus.

Die schlimmsten Fehler vermeiden – der Fehler liegt meistens beim Menschen

Auf keinen Fall sollten Sie folgende Dinge tun:

  • den Hund ausschimpfen, wenn er sich am falschen Ort gelöst hast, egal ob Sie dabei anwesend waren oder ob er alleine war und Sie nach Hause kommen
  • den Hund anschreien, wenn er gerade dazu ansetzt, sich am falschen Ort zu entleeren
  • den Hund in Verbindung mit der Stubenreinheit bestrafen
  • den Hund in seine Exkremente drücken (es gibt immernoch Menschen, die denken, dass diese Methode hilft!)
  • Dinge tun, die für den Hund etwas Negatives mit seinem Geschäft verknüpfen (z.B. lautes Jubeln, anschreien, schimpfen, Herumspringen, Ausflüge oder Spaziergänge abbrechen)
  • zu schnell zu viel erwarten

Wenn Sie den Hund im Rahmen der Stubenreinheitserziehung bestrafen oder ausschimpfen erreiche Sie am wahrscheinlichsten nur, dass Ihr Hund sein Geschäft heimlich macht, weil er gelernt hat, dass seine Exkremente Ärger mit Ihnen bedeuten. Eventuell wird er sich sogar versteckte Orte dafür suchen. Ich habe auch schon von Hunden gehört, die gesundheitliche Probleme bekamen, weil sie ihre Bedürfnisse aus Angst solange verkniffen haben, bis es nicht mehr gut für den Körper war. Bitte tun Sie das Ihrem Hund nicht an! Bestrafungen haben generell eher einen negativen Effekt auf das Lernen. Positive Bestärkung ist viel effektiver, sollte aber bei der Stubenreinheit eher vorsichtig eingesetzt werden. Wenn Sie jedes Mal laut Jubeln, nachdem Ihr Hund sich gelöst hat, könnte ihn das verschüchtern. Als Lob eignen sich eher kleine Spiele, die Ihrem Hund gefallen. Negative Verknüpfungen sind ebenfalls zu meiden! Was glauben Sie, was Ihr Hund für Lernschlüsse ziehen wird, wenn er feststellt, dass der tolle Spaziergang jedes Mal abrupt endet nachdem er sich erleichtert hat?

Einige Halter neigen dazu, aus dem Verhalten Ihres Hundes Fehlschlüsse zu ziehen, indem Sie dieses auf menschliches Verhalten übertragen. Dabei kommen Gedanken wie “Mein Hund macht absichtlich ins Haus um mich zu ärgern.” “Mein Hund ist sauer, deswegen macht er drinnen.” “Mein Hund ist zu dumm, um stubenrein zu werden.” Ihr Hund ist kein Ex-Partner, der sich aus niederen Motiven an Ihnen rechen will und er ist auch kein trotziger Teenager. Ihrem Hund liegt es fern, Sie verärgern zu wollen. Suchen Sie den Fehler in Ihrem eigenen Verhalten, suchen Sie nach Situationen oder Handlungen, die dazu geführt haben könnten, dass Ihr Hund falsche Schlüsse gezogen hat und versuchen Sie dann, diese Dinge zu ändern.

Geben Sie der Sache Zeit! Lassen Sie sich nicht verunsichern, wenn Ihnen andere Halter erzählen, wie schnell deren Hunde stubenrein waren! Jeder Hund ist anders. Planen Sie auch eventuelle Rückschläge mit ein. Manchmal dauert es eine Woche, manchmal einen Monat…

Ich mache wirklich alles richtig, aber mein Hund macht immernoch ins Haus

Geduld, Verständnis und Disziplin sind bei Ihrem Vorhaben sehr wichtig. Es wirft den Lernprozess zurück, wenn Sie an einem Tag am Ball sind und am nächsten Tag die Hälfte falsch machen oder der Sache gar keine Beachtung mehr schenken.Normalerweise werden Hunde, deren Halter sich an die oben beschriebenen Ratschläge halten, sehr schnell stubenrein. Ayeka beispielsweise war nach zehn Tagen bereits soweit und hat auch in der ganzen Zeit nur zwei Mal ins Haus gemacht… aber in diesen zehn Tagen drehte sich auch fast unser ganzes Leben nur um Ihre Verdauung Icon Wink in Wie wird mein Hund schnell stubenrein?

Sollten Sie aber der Meinung sein, alles perfekt gemacht zu haben und Ihr Hund macht trotzdem regelmäßig ins Haus, dann rate ich Ihnen den Gang zum Tierarzt für eine tiefergehende Untersuchung Ihres Vierbeiners. Möglicherweise gibt es gesundheitliche Ursachen!

Schreiben Sie einen Kommentar